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2. September 2009 | 16.12 Uhr

Goch

Wärme liegt in der Luft

 

"Die farblichen Applikationen sind streitbar" gibt Joachim Decker (r.) zu. Manfred Tielkes (WohnBau eG) beauftragte Christiane Behrens und Thomas Euwens mit der Bauplanung (v.r.n.l.). FOTO: RPO

Goch. Die WohnBau eG in Goch erhielt für die Sanierung des Gebäudes an der Jakobstraße 22c den Regionalpreis des Wettbewerbs "Effizienzhaus – Energieeffizienz und gute Architektur". Von Michael Baers

Dass das Mauerwerk so dick ist, hat nicht nur energetische, sondern auch ganz praktische Vorteile für die Mieter. Am Panoramafenster im Wohnzimmer des vierten Stocks ergibt sich so die Möglichkeit, sich bequem auf die breite Fensterbank zu setzen und den schönen Ausblick zu genießen.

Und dabei fällt erstens auf, dass man nichts vom Verkehr auf dem Westring hört und zweitens, dass etwas wesentliches in der Wohnung fehlt: die Heizkörper. Dafür scheinen bereits Lautsprecher integriert zu sein, denn zwei quadratische Abdeckungen ragen aus der Wand.

Passivhausstandard

"Bei der Modernisierung des Hauses haben wir uns erstmalig für den besonders energieeffizienten Passivhausstandard entschieden", erklärt Manfred Tielkes, Vorstandsvorsitzender der WohnBau eG, im feierlichen Rahmen.

Die WohnBau eG in Goch wurde aufgrund der Sanierung des Gebäudes an der Jakobstraße 22 nämlich Regionalsieger bei Deutschlands größtem Wettbewerb für zukunftsfähiges Bauen und erhielt jetzt von der Energieagentur NRW eine Tafel, die in diesen Tagen am Haus angebracht wird. "Sanierungen in diesem Umfang und an Gebäuden dieser Größe sind technisch eine Herausforderung und vergleichsweise selten", lobte Joachim Decker von der Energieagentur und sprach vom "energetischen Optimum".

Das Mietshaus stammt aus dem Jahr 1965 und bietet 1389 Quadratmeter Wohnfläche verteilt auf 18 Wohneinheiten. Die WohnBau eG beauftragte das auf dem Gebiet Passivhaus erfahrene Architektur- und Planungsbüro Reppco aus Kleve mit der Bauausführung und Christiane Behrens und Thomas Euwens beließen es nicht nur bei einer Veränderung der Wohnungszuschnitte.

Das Haus bekam neue Küchen und Bäder sowie diverse Dämmungen, neue Fenster, und zusätzlich zur Heizungsunterstützung (jetzt mit Gasbrennwerttechnik) und Warmwasserbereitung eine 36 Quadratmeter große, solarthermische Anlage aufs Dach. Außerdem wurden die Wohnungen mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ausgestattet und so stellen sich die weißen Abdeckungen in den Wänden beim Rundgang als gleichermaßen Lüftung und Heizung heraus.

Alles Maßnahmen, die trotz Fördergeldern von der KfW auf eine hohe Investitionssumme schließen lassen und zu einer Mieterhöhung für die Mieter führten. "Sie zahlen jetzt einen Tick mehr, das ließ sich nicht vermeiden" gibt Tielkes zu und verweist auf den neuen Wohnkomfort und die gestiegene Unabhängigkeit gegenüber Energiepreisschwankungen. Schließlich wurde der Energiebedarf um 91 Prozent gesenkt. Umgerechnet verbraucht das Haus damit nur noch zwei Liter Öl pro Quadratmeter und Jahr.

Quelle: RP